Eine brandheiße Idee

Martin Klüsener stellt aus gebrauchten Feuerwehrschläuchen einzigartige Taschen und Accessoires her

Köln, im Mai 2012 - Durch Schlamm und Geröll wurden sie gezogen, haben Feuer und Hitze getrotzt und Unmengen Wasser transportiert – und nun sind sie Sondermüll. Eigentlich. Martin Klüsener sammelt ausgemusterte Feuerwehrschläuche und verarbeitet sie zu individuellen Taschen und Accessoires. Was früher Leben gerettet hat, rettet jetzt die Umwelt. Die Idee für sein nachhaltiges Taschenlabel hatte Klüsener bereits im Studium – und sie kommt an: Über 40.000 Produkte hat sein junges Unternehmen im letzten Jahr verkauft. Das Erfolgsgeheimnis: „Man muss kein Feuerwehrmann sein, um etwas von den heldenhaften Einsätzen zu sehen oder zu spüren, an denen das Material beteiligt war“, sagt der Kölner Unternehmer.

Die Weichen für seine spätere Laufbahn als Taschenfabrikant stellte der Dreiunddreißigjährige schon früh: Bereits als Schüler war Martin Klüsener Feuer und Flamme für das Textilhandwerk und verbrachte viel Zeit im Keller seines Elternhauses an der Nähmaschine. Später, in seiner Diplomarbeit zum Bekleidungstechniker, beschäftigte sich der Student mit dem Aufbau eines Taschenlabels. Die Nachhaltigkeit war dabei genauso wichtig wie das Design: „Ich wollte beweisen, dass umweltbewusste Mode auch stylisch sein kann“, sagt Klüsener.

Seine Ambitionen setzte Klüsener auch gleich in die Praxis um: Die allererste seiner unter dem Namen „Luv“ vertriebenen Umhängetaschen besitzt er noch heute. Doch das damals gewählte Material erwies sich als nicht optimal: „Segeltuch findet man relativ selten, die Beschaffung ist daher nicht gerade ökonomisch. Ich suchte daher nach einem Material, das ich in ausreichender Menge vor Ort finden konnte“, erinnert sich Martin Klüsener. Er schaute sich weiter um und wurde fündig. Bei der Feuerwehr warteten ausgemusterte Schläuche auf ihren Weg zur Sondermülldeponie. Mit einem Stück Schlauch im Gepäck machte sich Klüsener auf den Heimweg.

Erste Experimente mit Feuerwehrschlauch

Zuhause angekommen machte sich der heutige Designer sofort an die Arbeit. Eine Voraussetzung hatte er bereits im Kopf: Ein DIN A4-Block sollte auf jeden Fall in die Tasche hineinpassen. Klüsener schnitt also den Schlauch auseinander und fertigte daraus einen ersten Prototypen, den er in den folgenden Tagen intensiv im Alltag testete. Das Ergebnis überzeugte ihn und auch der passende Name für das neue Label war schnell gefunden: Feuerwear. Das Firmenlogo in den Einsatzfarben Rot und Weiß entwarf ein befreundeter Grafiker.

Auf Märkten und Messen versuchte Klüsener anschließend, seine Taschen bekannter zu machen – mit Erfolg. Der steigenden Nachfrage konnte der Jungunternehmer bald nicht mehr allein gerecht werden. Mehr als zehn Taschen am Tag zu produzieren war nicht zu schaffen. Martin Klüsener machte daher eine Näherei in Polen ausfindig, die seine Produkte in der gewünschten Qualität und Stückzahl herstellen konnte – nach wie vor in Handarbeit. „In Deutschland gibt es den Beruf Täschner leider gar nicht mehr“, erklärt Martin Klüsener. „Bei der Verarbeitung des robusten Schlauchs benötigt man aber gerade dieses spezielle Know-how und natürlich auch besonderes Werkzeug.“

Unterstützung durch Bruder Robert

Für weiteren Schwung in der schnell wachsenden Taschenschmiede sorgte der Einstieg von Martins Bruder Robert Klüsener als zweitem Geschäftsführer bei Feuerwear. Das Angebot kam überraschend: „Wir hatten uns eines Abends getroffen und viele Ideen diskutiert, in welchen Bereichen ich mich selbstständig machen könnte. Am nächsten Morgen bot mir Martin dann eine Partnerschaft in seinem Unternehmen an“, erinnert sich Robert Klüsener. Schnell hatte auch der studierte Betriebswirt Feuer gefangen. Er analysierte das Potenzial der Marke und suchte nach neuen Vertriebsmöglichkeiten. „Das erste halbe Jahr habe ich komplett am Telefon verbracht und potenzielle Händler angerufen“, sagt Robert Klüsener rückblickend. Mittlerweile führen über 250 Händler die Taschen von Feuerwear im Sortiment – und das weltweit. Sogar in den USA und in Australien sind die Produkte erhältlich. Aufgrund des Erfolgs musste auch eine zweite Näherei beauftragt werden.

Nachhaltige Produktion

Neue Produkte entwirft Firmengründer Martin Klüsener nach wie vor selbst. Nur was den Alltagstest besteht, wird auch in Serie gefertigt. Neben Taschen gehören mittlerweile auch Accessoires wie Gürtel, Portemonnaies und Handytaschen zum Sortiment. Sie heißen Bill, Jack, Ted oder Scott, nur um einige zu nennen. Allesamt Namen von Männern, denen man zutraut, dass sie für einen durchs Feuer gehen. Das notwendige Schlauchmaterial beziehen die Kölner von Feuerwachen aus ganz Deutschland. Immer mal wieder bieten ihm auch Privatleute einzelne Schläuche zur Weiterverarbeitung an. Da müsse man leider absagen, weil der Einzelversand des schweren Materials nicht mehr ökologisch sinnvoll sei. „Wir lassen immer nur ganze Gitterboxen abholen. Die Umweltbelastung durch den Transport steht sonst nicht mehr im Verhältnis zu unserem Nachhaltigkeitsanspruch“, so Robert Klüsener. Denn mit bloßen Recycling wollen sich die Klüseners nicht zufrieden geben. „Wir versuchen überall so nachhaltig zu agieren, wie es uns möglich ist“, sagt Martin Klüsener. Dazu gehöre zum Beispiel die ausschließliche Verwendung von Ökostrom und der Ausgleich von CO2-Emissionen, sowie der Einsatz eines umweltverträglichen Waschmittels aus nachwachsenden Rohstoffen zur Reinigung der Schläuche.

Trotzdem arbeitet Feuerwear immer noch an Verbesserungsmöglichkeiten. Eine vom TÜV erstellte Ökobilanz soll in diesem Jahr helfen, weitere Optimierungsmöglichkeiten in Sachen Umweltschutz aufzudecken. In der Zwischenzeit testet Martin Klüsener schon seine nächsten Prototypen, die im Laufe des Jahres in den Handel kommen sollen.

 

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